Über Karl Feder

Karl Feder

Die Frage: Was sollen diese Bilder darstellen? dürfte den Zugang eher erschweren. Die Bilder sind Schmuck- Gegenstände, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um reine Ästhetik. Die Mittel: Farbe und Form. Und: der Wunsch nach Plastizität, bzw. Räumlichkeit ist in allen Bildern zu finden, er ist das entscheidende Element. Aus einem zweidimensionalen System, der realen Bildfläche wird regelrecht ausgebrochen, ein Raum soll entstehen. Die Schattierungen, diese allgegenwärtigen Farbübergänge dienen allein diesem Ziel. Die Objekte sind gewölbt, von geradezu erotischer Plastizität, oder geometrisch tief, gerastert.

Der Eindruck von Räumlichkeit entsteht auch durch die ungerührte Überlagerung von vorne und hinten: Die Figuren überdecken sich teilweise oder geben stellenweise den Blick nach hinten frei. In einigen Bildern wurde wieder und wieder auf schon bestehendes aufgemalt, einiges überdeckt, anderes stehen lassen.

So extrem dichtgepackt die Fläche wirkt: In der Tiefe hat jede Figur ihren Platz. Bei allem Kampf der Formen besteht doch eine Tendenz zur Harmonie. Kantig-geometrische Formen kontrastieren scharf mit weich-rundlichen, rationale mit irrationalen. Es scheint, als würden zwei Prinzipien (männlich/ weiblich?) miteinander kämpfen.

Die Farbigkeit jedoch versucht dies auszubalancieren: Geschmackvoll herrscht eine Farbtendenz vor im einzelnen Bild, mit mannigfaltigen Abstufungen, die Leuchtkraft der Farben ist stark. Bei aller sinnlicher Freude an der Farbe: die Bilder wirken nie bloß „bunt“, eher dezent, eher aus dem Dunkeln leuchtend, eher kompliziert, eher wie ein Rätsel, in das man sich vertiefen kann, das sich aber dann selbst erklärt (…wenn man sich denn „vertieft“).

So bizarr diese Bilder auch wirken mögen, ihr Ziel ist immer die harmonische Balance, in einem Bild mehr, im anderen weniger. Was wäre jedoch Harmonie ohne Konflikthaftigkeit? Nie ist langweilige Schönheit gemeint, nie die Schönheit des bekannt Gegenständlichen, selbst wenn manchmal etwas „Konkretes“ zu sehen ist. Gemeint ist das abenteuerlich Fremde. Wie faszinierend kann das Bekannte erscheinen, wenn man es sieht, als würde man es zum ersten mal sehen! Eben das wollen diese Bilder bieten: Formen die man so niemals gesehen hat, wodurch der Reiz des ersten Blicks entsteht.